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13. September 2016

"Die Angst der Forscher wächst" titelte die NZZ kürzlich. Da die EU als Konsequenz der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative die Schweiz von der europäischen Forschungskooperation Horizon 2020 und dem Studentenaustauschprogramm Erasmus+ ausgeschlossen hat, läuft  der Forschungs- und Innovationsstandort Schweiz Gefahr, ins Abseits zu geraten. Zahlreiche Schweizer Forschungsprojekte drohen zu scheitern und die Anziehungskraft der Schweiz für begabte ausländische Studierende könnte damit schwin-den. Sollte die Schweiz das Kroatien-Protokoll bis im Februar 2017 nicht vollständig annehmen, scheidet sie gänzlich aus den Programmen aus und wird nur noch als Drittstaat gelten.

Austauschprogramme
Der Verlust der Erasmusverträge stellte die Universitäten vor eine grosse Herausforderung. Mit über 200 europäischen Universitäten mussten innert kürzester Zeit bilateral neue Abkommen ausgehandelt werden, da ansonsten viele Studierende ihre Auslandspläne nicht hätten verwirklichen können. Um die Mobilität zu gewährleisten, muss die Schweiz aber im Rahmen des neu gegründeten Swiss-European Mobility Programme (SEMP) tief in die Tasche greifen. Unter dem Erasmus+ erhielten die  Schweizer Universitäten von Brüssel Stipendien für ihre Austauschstudenten und bezahlten damit deren Studienkosten. Neu finanziert nun die Schweiz sowohl einen Teil der Kosten für die Austausch- als auch die ausländischen Gaststudenten. Gemäss Aussage der Universitäten konnten jedoch die meisten Abkommen gesichert werden.

Horizon 2020
Die Schweiz hat von der Horizon 2020 Forschungskooperation sehr profitiert. Sie erhielt mehr als 10% ihres einbezahlten Betrages, wobei Schweizer Institutionen auch als überaus beliebte Forschungspartner gelten. Bis zur Annahme des Kroatienprotokolls verweigert die EU der Schweiz aber deren Vollassoziierung. Die gegenwärtige Teilassoziierung ermöglicht Schweizer Forschern immerhin den Zugang zu Aktivitäten des sogenannten ersten Pfeilers "Wissenschaftsexzellenz" (ca. 32% des Gesamtbudgets). Bei allen anderen Forschungszweigen (u.a. Ernährung, Landwirtschaft, Energie, Umwelt usw.) gilt die Schweiz als Drittland und wird damit durch Horizon 2020 finanziell nicht begünstigt. Die Teilassoziierung mindert aber auch die Attraktivität einer Kooperation mit der Schweiz, da "ihre Einbindung in zahlreichen Projekten als Risiko betrachtet wurde", so die Aussage des Bundesrates. Der Bund und der Schweizer Nationalfonds sichern nun einzelne Projekte durch ihre finanzielle Unterstützung nach dem Wegfall der Zulagen aus dem europäischen Horizon 2020. Jedoch bleibt die tatsächliche Situation der Schweizer Forscher bis zur endgültigen Einigung der Schweiz mit der EU weiterhin ungewiss.

Ausblick
Die universitären Institutionen konnten in Zusammenarbeit mit dem Bund die überraschende Kündigung von Erasmus+ und Horizon 2020 durch Mehrkosten abfedern. In Bezug auf die Austauschprogramme wurde mit dem SEMP eine praktikable Lösung ausgearbeitet. Hinsichtlich der Beteiligung am wichtigen Horizon 2020 gibt sich der Bundesrat zwar zuversichtlich, indem er den Forschern empfiehlt, sich für alle Fördergelder zu bewerben und von der Vollassoziierung auszugehen. Jedoch ist eine Einigung mit der EU im derzeitigen politischen Umfeld noch nicht in Sicht. Vielmehr prüft auch die Schweiz alternative Programme u.a. mit britischen Forschern, die nach dem Brexit vor der genau gleichen Ungewissheit stehen.

Autor: Dan Pruschy

Foto: Martin Stübler/Wikimedia Commons

Themen: ImmigrationForschungskooperationMEI

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